Mit Kunst aus der Psychiatrie: Warum „Niki de Saint Phalle“ begeistert

Eigentlich gehe ich nicht so oft ins Kino. Aber nach „Anora“ habe ich Lust bekommen, wieder einen Film zu besuchen, diesmal in Weingarten in der „Linse“: „Niki de Saint Phalle“, die Filmbiographie über die gleichnamige französisch-amerikanisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin. Eine ausdrucksstarke Persönlichkeit, wie im Film deutlich wird. 

Dabei muss Niki erst in der Psychiatrie laden, um so richtig zu ihrer Kunst zu finden. Ihr Ehemann findet Pistolen, Messer und allerlei gefährliches Gerät unter ihrem Bett – dann ist guter Rat teuer. Der Psychiater will die junge Frau in der Anstalt behalten, wo sie mit Elektroschocks „behandelt“ wird. Niki fühlt sich noch schlechter als zuvor. Um mit der Situation umzugehen, fängt sie heimlich an, mit Kartons, Gras und anderen Materialien zu experimentieren. Heimlich, weil die Anstalt ihr keine Farben oder Ähnliches zur Verfügung stellt. „Die Behandlung hier ist so intensiv, dass kein Patient die Kraft hat, etwas anderes zu machen. Offensichtlich sind Sie eine Ausnahme“, stellt der behandelnde Arzt letztlich fest. Und gibt ihr Farben.

Auch nachdem Niki die Anstalt verlassen hat, kämpft sie immer wieder mit ihrer Psyche. Sie viele Emotionen, selbst in der Öffentlichkeit: Mal lacht und weint sie gleichzeitig, mal zerstört sie Geschirr, aber mehr und mehr weiß sie, diese Emotionen in Kunst umzusetzen. Wobei ihre Werke im Film nicht zu sehen sind. Die Macher setzen den Fokus auf Niki de Saint Phalle als Person und den Akt der Kreation. Das Ergebnis, fertige Kunstwerke, die im Fall von Niki de Saint Phalle Millionen von Menschen begeistern, ist zunächst eher zweitrangig.

Eine Inspiration für Künstler

Damit ist der Film inspirierend für Kunstschaffende, ob Anfänger oder Fortgeschrittener und Niki de Saint Phalle ein Vorbild für alle, die mit psychischen Problemen kämpfen. Malen, zeichnen, töpfern, schreiben, musizieren können ein kreatives Ventil sein, um unangenehme Empfindungen in etwas Schönes umzuwandeln. So wie Niki im Film lernt, dass sie sich authentisch ausdrücken darf, sollten Künstler keine Angst haben, sich selbst in ihren Werken zu zeigen. 

Simon (12) im Tarotgarten

Figuren von Niki de Saint Phalle („Der Dichter und seine Muse„) sind beispielsweise auf dem Skulpturenpfad der Universität Ulm zu sehen. Besonders bekannt ist sie allerdings für ihre „Nana“-Plastiken, riesige und bunte Frauenkörper. Ein solcher Frauenkörper steht auch in Niki de Saint Phalles Tarotgarten, einem Kunstpark in der Toskana. Sie schuf die 22 Figuren des Tarot, die teils begehbar sind, mithilfe von Beton, Spiegeln und weiteren Materialien. Als Kind besuchte ich mit meinen Eltern den Park, der mich schon damals inspirierte.

Eindrücke aus dem Tarotgarten bei einem Besuch im Sommer 2005

Zurück ins Jahr 2025 und zum Film: Manche zeitliche Sprünge verwundern zwar. Aber insgesamt steht für mich fest: „Niki de Saint Phalle“ ist ein starker Film über eine ungewöhnliche Persönlichkeit, der absolut sehenswert ist.

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