Was hat dich motiviert ins Ausland zu gehen? Zum einen habe ich mit meinem Cousin gesprochen, der nach seinem Abitur ein Jahr in Italien als Freiwilliger in einem Museum verbracht hat. Er war total begeistert und meinte, man solle unbedingt ein Auslandsjahr machen, dies sei eine Bereicherung fürs ganze Leben. Des Weiteren sprach ich mit Leuten, die sofort nach dem Abi mit Studieren angefangen hatten. Viele von ihnen waren enttäuscht und blickten mit Neid auf diejenigen, die Auslandserfahrungen machten. Zum anderen habe ich schon Erfahrung im interkulturellen Dialog gesammelt, indem ich durch einen Schüleraustausch und Sprachreisen Kontakt zu Menschen anderer Nationen hatte. Dies fand ich sehr bereichernd. In einem Freiwilligendienst im Ausland sah ich eine Möglichkeit, in wirklich unterschiedlichen Verhältnissen zu leben und somit ein Stück zum Dialog der Kulturen beizutragen. Ich machte mir viele Gedanken und kam zum Ergebnis, dass ich nach zwölf häufig monotonen Jahren in der Schule einmal etwas völlig anderes machen will.   Wie hast du deine Stelle gefunden und wie lief die Bewerbung ab? Ich habe von „Kulturweit“ von einem Freund erfahren, der sich auch dort bewarb. Man muss ein großes Online-Formular ausfüllen, in dem man u.a. Motivation, Fähigkeiten und Interessen bezüglich des Freiwilligendienstes angeben muss. Per Mail kam dann die erfreuliche Nachricht, dass ich zu einem Auswahlgespräch in Bonn eingeladen werde. Zusammen mit zwei Mitbewerberinnen saß ich zwei Herren gegenüber, die einen zu Verschiedenem befragten. Eine Frage war z.B.: „Welches Bild wollen Sie von Deutschland bzw. von den Deutschen im Ausland präsentieren, als Stellvertreter für Ihr Land?“ Die Zusage kam wieder per Mail; es ist so, dass man eine Stelle in einem bestimmten Land angeboten bekommt und dieser Stelle zu- oder absagen kann. Man kann nicht einfach sich eine andere wünschen. Als die Zusage kam, überlegte ich ein wenig und habe es bisher nicht bereut, diese Stelle anzunehmen.   Was hast du alles vorbereitet bzw. organisieren müssen Zunächst ist zu sagen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Kulturweit“ sehr kompetent sind und die Organisation von ihrer Seite perfekt abläuft. Dennoch gibt es auch viel für mich zu tun: Ich muss viele Unterlagen an „Kulturweit“ schicken wie z.B. den Sozialversicherungsausweis, eine Kopie vom Ausweis usw. Viel davon muss ich erst noch beantragen. Es empfiehlt sich, frühzeitig mit der Vorbereitung anzufangen, da bei einigen Behörden lange Wartezeiten zur Normalität gehören. Außerdem habe ich Kontakt zu meiner Ansprechpartnerin in Ungarn aufgenommen und einige Sachen wie z.B. Anreise, Aufgaben, Wohnung usw. geklärt. Sie ist wirklich sehr nett und aufgeschlossen. Nicht zu vergessen ist das Lernen der Sprache: Ungarisch ist sehr schwer und nicht vergleichbar mit Sprachen, die in deutschen Schulen gelehrt werden. Ich habe das Lernen mit Vokabelkarten mittlerweile aufgegeben, da es einfach zu trocken ist. Jetzt wende ich mich an einen Bekannten, der Ungar ist.   An welchen Seminaren musst bzw. musstest du teilnehmen? Das große Vorbereitungsseminar findet vom 20.-29.08.12 statt, d.h. kurz vor der Ausreise. Hier kommen alle 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von „Kulturweit“ zusammen, worauf ich schon sehr gespannt bin.   Wie viel Zeit war für die Vorbereitung insgesamt nötig? Das ist schwer zu sagen. Ein paar Tage sollte man sich freihalten, um zwischen Ämtern hin- und herzurennen und im Internet nach Konfessionskürzeln zu suchen.   Mit welchen Kosten rechnest du? Ich bekomme ein Taschengeld i.H. von 350€ im Monat und die An- und Abreise und evtl. den Sprachkurs bezahlt. Momentan rechne ich mit ca. 100 bis 200€ im Monat an zusätzlichen Kosten, welche aber wahrscheinlich über das Kindergeld meiner Eltern abgedeckt werden können. Für Menschen, die sich im Ausland engagieren wollen und eher knapp bei Kasse sind, ist „Kulturweit“ eigentlich perfekt. Bei wirklich keinem anderen Freiwilligendienst bekommt so viel bezahlt.   Weißt du schon wie deine Arbeitszeiten aussehen und weißt du schon in welchem Projekt du arbeiten wirst? Ich bin in einem deutschen Gymnasium in Tata (in der Nähe von Budapest) tätig. Meine Aufgaben sind sehr vielfältig: Hauptsächlich soll ich als Muttersprachler mit den Schülerinnen und Schülern kommunizieren, Projekte unterstützen, die Webseite der Schule auch auf Deutsch erstellen und in vielen Bereichen des Schullebens helfen, z.B. bei der Vorbereitung und Durchführung von Sprachwettbewerben, usw. Meine Arbeitszeiten sind vor allem natürlich unter der Woche. Ab und zu bei z.B. Klassenfahrten geht auch das Wochenende als Arbeitszeit drauf.   Wie wirst du dich verständigen? Bei einer deutschen Schule versteht es sich von selbst, dass dort größtenteils auf Deutsch kommuniziert wird. Dies ist natürlich eine starke Entlastung für mich, da ich mich gleich besser zu Recht finden kann. Im Alltag bzw. außerhalb der Schule sieht es natürlich anders aus: Ich nehme an, dass die Supermarktverkäuferin oder der Busfahrer kein Deutsch sprechen können und dass es auch mit Englisch schwierig wird. Also bin ich gerade dabei, mir wichtige Grundlagen des Ungarischen anzueignen.   Wie stellst du dir das Land im Vorfeld vor? Um es kurz zu beschreiben: als unentdeckter Schatz. Ich glaube, dass viele Menschen Ungarn unterschätzen. Schulkameraden fragten mich: „Warum gehst du denn nach Ungarn? Wieso nicht in die USA oder Australien, da ist es doch viel interessanter?“ Dabei gibt es in Ungarn reichhaltige Kultur und offene Menschen. Zumindest stelle ich mir es jetzt so vor, bin aber gespannt, mit der Realität konfrontiert zu werden. Vor allem die politische bzw. gesellschaftliche Dimension kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt schwer ausmalen.   Hast du vor etwas Angst? Eine Sache ist die Kriminalität, zum anderen weiß ich nicht, ob ich mit der Einsatzstelle zu Recht komme, ob ich den Aufgaben gewachsen bin. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass dies ein super Jahr wird!   Mit welchen Zielen ziehst du los? Ich möchte den Menschen ein offenes und freundliches Bild von Deutschland zeigen, dass wir weder Nazis noch gnadenlos distanziert sind. Wichtiger für mich ist aber, mir neue Wege aufzeigen zu lassen, die ungarische Kultur und Leute zu verstehen und dadurch mein eigenes Weltbild ggf. zu verändern. Außerdem ist es mein Ziel, so gut wie möglich Ungarisch zu lernen. Dies wird sehr schwierig. Trotzdem ist es eine ungewöhnliche Sprache und gerade deshalb etwas besonderes sie zu beherrschen.   Welche Tipps würdest du jemandem geben, der sich ebenfalls für ein FSJ im Ausland interessiert? Auf jeden Fall sollte man sich frühzeitig beginnen zu informieren, mindestens ein Jahr bevor es los geht. Dann sollte man schauen, welches Programm zum eigenen Geldbeutel passt, da es hier große Unterschiede gibt. Wichtig finde ich, dass man sich nicht schon im Vorfeld auf ein Land bzw. Gebiet fixiert. Ich habe Ungarn auch als „unentdeckten Schatz“ bezeichnet, da viele der Meinung sind, kaum wachen sie jeden Morgen in den USA auf, sind sie glücklichere Menschen. Ich finde, die Tätigkeit sollte dem Freiwilligen Spaß machen, man sollte sich unabhängig vom Land bewerben.

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