In der Schule hört man beinahe ununterbrochen, man solle fürs Leben lernen; also, alles was man in der Schule lernt, soll im Rentenalter noch auswendig aufgesagt werden können. Dies klingt reichlich unrealistisch. Ist es auch. Zugespitzt kann man sagen: Ich habe in meinen drei Wochen FSJ im Ausland mehr gelernt als jemals in der Schule. Warum ist das so? Ich würde sagen, hier in Ungarn bin ich auf mich allein gestellt und muss viele Dinge selber regeln. Da gibt es keine Eltern, die eingreifen. Das fängt beim pünktlichen Aufstehen an und hört beim Zubereiten des Abendessens auf. Außerdem ist die Bereitschaft zum *langfristigen* Lernen hier um ein Vielfaches höher, weil man Dinge lernt, die man fürs Leben braucht. Hier ein paar zusätzliche Beispiele von Dingen, von denen ich behaupte sie gelernt zu haben. Ich habe gelernt,…

  • …wie ich mich als Assistenzlehrer vor einer Klasse gebe, ob ich streng oder locker sein soll.
  • …wie ich es in einem Land schaffe, in dem das meiste spontan läuft, einen einigermaßen festen Stundenplan mir zusammenzustellen.
  • …wie ich mit Menschen kommuniziere , die keine einzige Sprache außer Ungarisch sprechen.
  • …was ich machen muss, wenn ich den roten Knopf in der Dusche voll aufdrehe und das Wasser eiskalt ist. Ganz einfach, den blauen Knopf benutzen und schon fühlt man sich wie in einer Sauna.
  • …ausführlich über Probleme zu philosophieren.
  • …dass man in Ungarn sogar im Fahrschulauto STOPP-Stellen überfährt.
  • …dass die Ungarinnen und Ungarn sehr gastfreundlich und offen sind, aber auch, dass – laut letzteren – die Deutschen in Bezug auf Gastfreundlichkeit keine Leuchten sind.
  • …dass man auch nach elf Jahren Deutschunterricht sich nicht unbedingt auf Deutsch vorstellen kann.
  • …wie man auf Ungarisch flucht und dass man in dieser Sprache sehr gut fluchen kann.
  • …dass bei gewissen Weinfesten in der Umgebung von Tata die Männer bei einem Tanz schon mal sich die Hose herunterziehen.

Hoffentlich werde ich auch in Zukunft viele nützliche Dinge lernen!  

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