Egal, wem ich erzählte, dass ich in Tata bei Budapest mein FSJ ableisten werde, die erste Antwort war stets: „Du musst UNBEDINGT nach Budapest gehen! Das ist eine sooo schöne Stadt!“ Dies war mit der Zeit etwas nervig, ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt sage: Budapest ist tatsächlich eine wunderschöne Stadt, in der man wahnsinnig viel erleben kann.

Budapest hat als Hauptstadt und größte Stadt Ungarns 1,7 Millionen Einwohner und ist somit die achtgrößte Stadt in der EU. Dank unglaublich vielen Sehenswürdigkeiten werde ich wohl noch mein ganzes FSJ brauchen, um diese Großstadt einigermaßen kennen zu lernen, deren Möglichkeiten bei Besichtigungen von monumentalen Bauwerken anfangen und bei Luxus-Shoppingtouren aufhören.

Bei meinem ersten Mal in Budapest sah ich zunächst den in großem Maße hässlichen Südbahnhof und war ein wenig enttäuscht. Doch es ging schnurstracks auf ein kostenloses Konzert in einem Park. Am Eingang verteilte ein berühmter ungarischer Serienstar Flugblätter, die laut meinen ungarischen Begleitern gegen den ungarischen Premier Orban gerichtet seien; das kann ich aber beim besten Willen nicht bestätigen, da mir – zumindest jetzt noch – die Buchstaben auf dem Zettel wie Hieroglyphen vorkommen. Was folgte, war eine riesige Menschenmasse, in der ich umher trieb und bisweilen etwas Platzangst bekam. Bis zur Bühne wäre ein Vordringen unmöglich gewesen. Obwohl die gespielte ungarische Musik mir komplett unbekannt war, fand ich doch eine wunderbare Atmosphäre vor und konnte mit einem guten ersten Eindruck zurück nach Tata fahren.

Beim zweiten Mal hatte ich das Essen betreffend ein weniger glückliches Händchen. Unerwartet musste ich eine ganze Stunde auf meine Mitfreiwilligen am Südbahnhof warten und hatte einen Bärenhunger. Guten Mutes zog ich los, in einer mir komplett unbekannten Stadt nach einigermaßen genießbarem Essen zu suchen. Dort, auf der anderen Seite der Straße, waren chinesische Schriftzeichen zu erkennen, das sah vielversprechend aus. Ich ging hinein, doch war der einzige Gast – normalerweise ein schlechtes Zeichen. Ich konnte aus mehreren Gerichten wählen, alles klar. Wunderbar, jetzt brutzelt bestimmt gleich die Pfanne, dachte ich. Doch nichts dergleichen passierte, es war lediglich das Piepen einer Mikrowelle zu hören. Der „Koch“ besaß die Dreistigkeit, direkt vor meinen Augen das Gericht in jenes elektronische Gerät zu stecken, bei dessen Anblick mir jeder Appetit vergeht. Ich ließ es über mich ergehen … logischerweise schmeckte der Reis mit irgendetwas grauenhaft … einfach runterschlucken, nicht nachdenken. Erst später erfuhr ich durch den Budapester Peter, einen Freund einer meiner Mitfreiwilligen, dass es sich keinenfalls empfiehlt in der Nähe des Südbahnhofs zu speisen. Toll, das wusste ich nach diesem Erlebnis auch.

Was ich außerdem sah, hat es mir angetan: die Donau, viele Kirchen, das Parlamentsgebäude, der Palast des Staatspräsidenten und so weiter. Besonders interessant war die Statue eines alten ungarischen Kriegsherrn samt Pferd. Was die Statue betrifft ist es Brauch in Ungarn, das Genital des Pferdes anzufassen, was angehenden Abiturienten (und eigentlich jedem) Glück bringen soll. Die anfängliche Skepsis meiner Mitfreiwilligen und mir wich. Nach dem Ritual und noch immer bin ich fest davon überzeugt, dass unser FSJ ganz leicht das allerbeste und -glücklichste Jahr in unserem Leben werden wird.

Außerdem gefiel mir der V. Bezirk Budapests sehr, die Innenstadt. Bekannte Geschäfte wechseln sich ab mit Essensständen, vom Shoppen entspannen kann man sich auf gemütlichen Plätzen, die abends eine einmalige Atmosphäre haben.

Nun habe ich schon einiges zu Budapest gesagt; das wird sicherlich nicht das letzte sein. Ich freue mich schon darauf, andere Ecken der Stadt kennenzulernen, mehr über deren Geschichte zu erfahren und hoffentlich einmal Lothar Matthäus zu treffen. Wichtig erscheint mir, NIE wieder bei einem Chinesen am Südbahnhof zu essen.

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