Die Kleinstadt Tata im Norden Ungarns ist mit ihren ca. 24.000 Einwohnern ein ruhiger Ort zum Wohnen, man hat trotzdem einige Möglichkeiten – so lautet mein Fazit nach einer Woche.

Wenn man in Stille wohnen möchte, ist Tata ideal. Das einzige – zugegeben nervige – Geräusch, das man tagsüber vernimmt, ist das Bellen von Hunden. In Ungarn hat fast jeder Haushalt einen Hund; und was passiert, wenn sich einmal zwei Köter treffen, brauche ich in diesem Blog wohl nicht zu schreiben. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft leben zwei Hunde fast aufeinander, so kann man sich vorstellen, über was ich mich den ganzen Tag ärgere…

In Tata gibt es zwei Seen, einen größeren (genannt alten) See und  einen kleineren See. Sie wurden von der Grafenfamilie Esterházy künstlich angelegt, ebenso wie ein englischer Garten samt Kunstruinen (für mehr Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Esterh%C3%A1zy). Eine nachts beleuchtete Burg beim alten See sorgt für eine tolle Atmosphäre am Abend, genauso wie tagsüber die vielen Pflanzen und Bänke zur Entspannung einladen. Leider darf man nicht in den Seen baden, da sie verschmutzt sind. Trotzdem trainieren auf der Wasseroberfläche Ruderer allabendlich  für einen Wettkampf. Außerhalb des Sees pulsiert das Leben: Massen von Radfahrern, Joggern und Spaziergängern genießen ihren Feierabend. Auch der Spaß am Wochenende für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt nicht zu kurz. Einige Kneipen und Discos sorgen für die notwendige Abwechslung vom Alltag.

Ich möchte keinen falschen Eindruck vermitteln, keine Wunschstadt kreieren. Man muss leider sagen, dass viele Gebäude in Tata heruntergekommen sind. Man kann hässliche Plattenbauten aus der Zeit des Sozialismus ebenso wie altehrwürdige Gemäuer, die ihre besten Jahre hinter sich haben, bestaunen. Trotz alledem ist der Charme der Stadt unverkennbar. Läuft man abends durch die Stadt zum See, um in der Nähe der Burg ein gutes Buch zu lesen, fühlt man sich wunderbar, fast wie im Urlaub. Außerdem sind viele Plattenbauten sehr schön hergerichtet und einige alte Gebäude werden dank des EU-Strukturfonds nach und nach  wieder restauriert.

Warum wurde für die XIV. Olympischen Sommerspiele 1948 das Trainingslager der ungarischen Teams in Tata errichtet?  Ganz einfach: Es hieß, das Klima in Tata sei ähnlich wie die Bedingungen in London, dem Austragungsort 1948. Das Klima in Tata kann man als angenehm, aber ungewohnt bezeichnen. Viel Sonne bringt eine ordentliche Wärme (Hitze wäre zu viel gesagt). Den beiden Seen hat die Kleinstadt eine hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Wind zu verdanken. Des Weiteren regnet es selten, zumindest kann ich das für den Zeitraum, in dem ich dort war, sagen.

Viele bekannte Geschäfte wie Interspar, Tesco, Penny oder sogar Euronics sind in Tata ansässig, was das Einkaufen ein bisschen erleichtert. Erstaunlicherweise haben viele Lebensmittel wie z.B. Zucker eine englische Bezeichnung. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, aus Versehen Backpulver statt Zucker  einzukaufen. Den Bahnhof findet man außerhalb des Zentrums, was natürlich nicht sehr geschickt ist. Dennoch gibt es mit dem Zug eine einstündige Direktanbindung an Budapest.

Ich habe ein Kloster in der Nähe besichtigt. Ich kann mir gut vorstellen, warum Manager es gerne als Rückzugsort mieten. Man kann sich gut die Situation der Mönche, die an dem Ort vor Jahrhunderten ein Schweigegelübde abgelegt haben, vorstellen. Etwas zu lachen hatte ich, als ich eine missglückte Übersetzung eines Schildes entdeckt habe.

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