Nach sieben langen Stunden Zugfahrt bin ich endlich in Ungarn angekommen und habe schon einiges erlebt.

Die erste Überraschung war der Empfang durch meine Ansprechperson Elvira und eine Kollegin. Erstere wollte mich eigentlich in Tata, also meinem Einsatzort, am Bahnhof abholen. Stattdessen standen die beiden Lehrerinnen mir schon am Bahnhof in Tatabanya gegenüber, an dem ich nach Tata umsteigen wollte. Dies stellte sich als sehr hilfreich heraus, da sich gefühlte 50 Kilo Gepäck nicht von allein transportieren ließen.

Meine beiden zukünftigen Kolleginnen baten mich scherzhaft, die Augen zu schließen, da sie den Bahnhof in Tatabanya für so hässlich hielten, dass es für sie peinlich sei. Und tatsächlich: Dies war der – entschuldige die Ausdrucksweise – abgefuckteste Bahnhof, den ich jemals gesehen habe. (Tatabanya ist mit ca. 70.000 Einwohnern die nächstgrößere Stadt bei Tata. Sie wurde erst vor ungefähr 50 Jahren im Sozialismus erbaut, was man ihr noch anmerkt.)

Über die Autobahn M1 ging es nach Tata, das sich merklich von Tatabanya unterscheidet. Es gibt reichlich Altstadt, einen größeren und einen kleineren See und sogar eine Burg. Nach einer kleinen Rundfahrt erlebe ich die größte Überraschung des Tages: Vor einem Museum haben sich Menschen versammelt, um bayrischer Blasmusik, vorgetragen von fünf jungen Erwachsenen, zu lauschen. Es werden Lederhosen und Dirndl getragen, traditionelle bayrische Lieder getanzt und dazu gesungen. Ich frage mich: „Bin ich hier beim Oktoberfest gelandet?!“ Damit hatte ich im Vorfeld wirklich nicht gerechnet. Hier meine Aufnahmen davon: http://www.youtube.com/watch?v=zdE-i5OjfuI

Später erfahre ich, dass dies Ungarndeutsche sind, die auf diese Weise ihrer ursprünglichen Heimat gedenken. Auch wenn ich mich noch an die Kombination „Blasmusik & Ungarn“ gewöhnen muss, scheinen mir diese Ungarndeutschen ein interessantes Völkchen zu sein.

Auf ein reichhaltiges Mahl mit Gulaschsuppe und Palatschinken in einem Restaurant am (großen) See folgt ein Spaziergang an dem Gewässer entlang. Ich erfahre von Elvira interessante Dinge über das Schulsystem hierzulande und genieße den Ausblick auf den See.

Die ersten Nächte verbringe ich in einer Pension einer älteren Dame, da meine Wohnung noch nicht bezugsbereit ist. Ich fühle mich auch hier wohl, gerade weil die Dame sich fast wie eine Großmutter um mich kümmert.

Es bricht eine spannende Zeit an. Was werden meine Aufgaben sein? Werde ich in meiner Freizeit hauptsächlich mit anderen Freiwilligen, mit Ungarn oder gar mit den oktoberfestfanatischen Ungarndeutschen zu tun haben? Es gibt viele offene Fragen; ist doch klar, dass nicht gleich alle am ersten Tag beantwortet werden.

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