Vier Monate bin ich schon als Freiwilliger in Tata, die Zeit ging echt schnell vorbei. In der Schule passierte einiges, jetzt folgen die traditionell gemütlichen Feiertage.

Das letzte Großereignis des Eötvös-Gymnasiums fand am achten Dezember in der Turnhalle der Schule statt. Es handelt sich um die sog. „Bandweihe“, einen feierlichen Brauch an ungarischen Schulen, den ich zuvor noch nicht so ganz begriffen habe. Es geht darum, dass die Abiturientinnen und Abiturienten Bänder angesteckt bekommen, die sie an ihre Schulzeit erinnern sollen. Auf ihnen steht der Name der Schule sowie die Jahre, in denen sie die Schule besucht haben, geschrieben. Dazu kommen alle Lehrerinnen und Lehrer, die Verwandten ebenso wie einige Schülerinnen und Schüler, die bei der Organisation halfen. Ich als „freiwilliger pädagogischer Assistent“ (so werde ich in der Schule genannt) hatte einen sehr guten Platz, von dem aus ich alles genau beobachten konnte.

Ich finde diese Zeremonie eine tolle Idee, da sie das bestätigt, was schon länger mein Eindruck ist: Die Schülerinnen und Schüler  identifizieren sich viel stärker mit der Schule als es m.E. in Deutschland der Fall ist. Sie sind stolz darauf, diese Schule und spezielle Klasse besucht zu haben, was man auch an den Anstrengungen während der Königswahl ablesen kann.

Doch ein weiterer wichtiger Anlass, warum sich ein paar hundert Menschen in die in grün gehaltene Turnhalle quetschen, ist die Vorführung von zahlreichen Tänzen. Nach anstrengenden Tanzproben, nach Stunden beim Friseur und der Suche nach dem perfektem Kleid, das viele aus Kostengründen sich ausliehen, war es endlich soweit. Die Mädchen im weißen, traditionell einem Hochzeitskleid ähnelnden Aufzug und die Jungs ganz „legendär“ im Anzug. Sie führten zum größten Teil nervenstark ihre Variationen vom Wiener Walzer auf – ein wahrer Augenschmaus. Zusätzlich gab es noch Mix-Ups zwischen Hip-Hop, Pop- und Roma-Tänzen zu sehen, die der ganzen Veranstaltung eine gewisse Abiturienten-Coolness verlieh.

Um dieses für die Beteiligten tolle Erlebnis ausklingen zu lassen, gab es gleich zwei Afterpartys: Zuerst wurde die von der EU renovierten Aula mit ungarischer – später auch internationaler Musik – beschallt, wobei sogar einige Lehrerinnen und Lehrer das Tanzbein schwangen. Die Stimmung war sehr locker, wie alle einfach gemeinsam tanzten, so etwas wäre in Deutschland nur schwer möglich. Der amerikanische Gastlehrer und ich als die einzigen Ausländer fühlten uns aber keinesfalls ausgeschlossen, sondern wurden explizit in Gruppentänze etc. miteinbezogen. Danach begann die zweite Afterparty im Pletyca, einer beliebten Disco in Tata, die ebenfalls ein Riesenspaß war und bis in die Morgenstunden dauerte.

Was ich sonst noch erlebt habe

Es fand Unterricht am Samstag statt, was natürlich die Begeisterung von allen hervorruft. Dabei wurde der Stundenplan von Montag verwendet. Nun mag sich der deutsche Oberstudienrat fragen: „Wieso zur Hölle schaffen die am Samstag??“ Beantworten kann man das so: Lehrerinnen und Lehrer in Ungarn müssen eine gewisse Anzahl von Tagen, und vor allem bestimmte Tage arbeiten, wie z.B. an Sylvester. Damit sie dies aber nicht an solchen den deutschen Lehrern heiligen Tagen machen müssen, verschiebt man diesen Tag netterweise auf einen Samstag – schon hat man eine Sechs-Tage-Woche.

Mittlerweile ist die Stadt Tata sowie mein Zuhause weihnachtlich geschmückt, soweit es eben geht. Die Straßen sind von Lichterketten und anderen leuchtenden Dingen gesäumt und Weihnachtsartikel findet man sowieso schon seit Oktober in den Läden. Das Wetter war gerade einmal für ein paar Tage weihnachtlich, ansonsten zwischen minus und plus fünf Grad inklusive kaltem Wind – nicht sehr angenehm.

Letztens gab es eine offizielle Schul-Weihnachtsfeier in der Aula, wobei ich mit den zwei Weihnachtsklassikern „Stille Nacht“ und „Leise rieselt der Schnee“ auf dem Klavier aufgetreten bin, außerdem konnte man eine Art Krippenspiel und zahlreiche weitere literarische und musische Auftritte bewundern.

Insgesamt war dies eine wunderbare Einstimmung auf Weihnachten, das ich zu Hause mit der Familie mehr als genieße.

Frohe Weihnachten euch allen! (oder auf Ungarisch: Boldog Karácsonyt!) Ich hoffe, ihr bleibt meinem Blog im Neuen Jahr treu.

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