Der gepflegte Obdachlose

Heute realisierte ich etwas einmal mehr: Ich habe ein Talent. Und zwar ein Talent, mit interessanten Leuten ins Gespräch zu kommen und sie unbewusst dazu zu bringen, dass sie mir ihre Lebensgeschichte erzählen. Dies geschah auf Zypern, mit russischen Taxifahrern – und nun auch in meinem Freiburger Stadtteil Vauban. Dominik*, den ich im Wohnheimsflur kennen lernte, war sieben Jahre lang mit einer italienischen Anhängerin der Zeugen Jehovas verheiratet, trennte sich, lebte auf der Straße, und blickt dennoch positiv der Zukunft entgegen.

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Religion statt Meditation

Ich bin wieder da, in der Ökohauptstadt Deutschlands. Es ist kurz vor halb sieben abends, die Sonne möchte bald untergehen. Und ich tue etwas, was kaum typischer für Freiburg sein könnte, ich fahre Rad. Düse durch die Wiehre, das Viertel mit vielen altehrwürdigen Gebäuden, viele davon Villen von Studentenverbindungen. Ein AfD-Plakat ist von Weitem zu sehen. Steht dort etwa „Kampf“!? Doch bevor ich mich aufregen kann, sehe ich, dass lediglich ihr Freiburger Spitzenkandidat Volker Kempf heißt. Dann bin ich angekommen in der Schillerstraße 22, einem schönen Altbau. Hier befindet sich eine Hebammenpraxis. „Wird Simon nun Vater?“, wird sich der ein oder andere Leser fragen. Die kurze Antwort lautet: Nein. Was ich dennoch an diesem für mich ungewöhnlichen Ort suchte, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

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Von Schminke und Obstsalaten

Wettbewerb, was ist das? Der Liberale denkt sofort an Wettbewerb in „freien Märkten“, der das Geschäft belebt. Der Linksgrüne wiederum denkt an „Raubtierkapitalismus“, der durch tödliche Konkurrenz die Umwelt zerstört. Doch halt. Heute soll es um Wettbewerbe einer anderen Art gehen. An meiner Fakultät fand ein „Mister“- und ein „Miss“-Konkurs statt. Was dies genau zu bedeuten hat und was mich dabei überraschte, lest ihr im Folgenden.

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Fehlstart?

Ich sitze im Zug – nicht von Ravensburg nach Friedrichshafen, nicht von Freiburg nach Berlin, sondern vom Kasaner Bahnhof in Moskau nach Voronež. Online konnte ich eine sogenannte „Platzkarte“ ergattern, man könnte auch sagen: eine Fahrkarte für die dritte Klasse. Viele Menschen sind in diesem Tag- und Nachtzug mit dem Ziel Anapa am Schwarzen Meer. Es ist eng – so kommt man sich auch beim gemeinsamen Essen und in Gesprächen näher. Sergej und Valentina etwa, meine Nachbarn, versorgen mich mit Tee und allerlei Leckereien. Doch von vorn. Wie kam es eigentlich dazu? Ein Rückblick.

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